Manche Wunden heilen nicht. Sie vernarben.

Und das ist kein Scheitern – das ist das Leben.

Es gibt Themen, die kommen – und gehen nicht.

Du arbeitest daran. Du weinst darüber. Du redest in Therapien, in Coachings, mit Freundinnen und mit dir selbst. Du liest Bücher, machst Workshops, hast Erkenntnisse. Echte Erkenntnisse. Und trotzdem – nach Monaten, nach Jahren – ist das Thema immer noch da.

Nicht genauso wie früher. Aber da.

Vielleicht reden wir hier über dein Verhältnis zu Beziehungen. Zu Verlust. Zu Kontrolle. Zu Selbstwert. Zu Körper. Zu Liebe. Zu Vertrauen.

Und irgendwann kommt der Moment, in dem du dich fragst: Was stimmt mit mir nicht? Warum habe ich das immer noch nicht geheilt?

Ich möchte dir heute eine andere Frage dazu anbieten.

Was, wenn manche Themen nicht dazu da sind, zu verschwinden?

Was, wenn der Anspruch „das muss irgendwann weg sein“ selbst das Problem ist?

Stell dir eine Wunde vor, die genäht wurde. Die Haut ist zu. Das Gewebe hat sich verbunden. Aber da ist eine Narbe. Manchmal zieht sie. Bei bestimmtem Wetter, bei bestimmten Bewegungen, bei bestimmten Menschen, an bestimmten Orten. Sie schmerzt – nicht wie eine frische Wunde schmerzt. Aber sie schmerzt.

Das bedeutet nicht, dass die Wunde wieder offen ist. Das bedeutet, dass du eine Narbe hast. Und dass Narben manchmal Pflege brauchen.

Narbenpflege statt Wundheilung

Es ist ein Unterschied, ob du mit einer offenen Wunde durch die Welt gehst – roh, reaktiv, jedes Mal aufschreiend, wenn jemand auch nur in die Nähe kommt – oder ob du eine Narbe hast, die du kennst. Etwas, das verheilt ist und deshalb nicht an die Decke geht oder flüchtet, wenn es berührt wird. Aber manchmal tut’s noch weh.

Die Narbe zieht und ziept? Du gibst ihr eine liebevolle Massage, anstatt sie zu ignorieren oder dich zu fragen, warum sie überhaupt noch da ist.

Die Narbe schmerzt? Du nimmst dir einen Moment. Du atmest. Du weißt: Das ist alt. Das bin ich, aber das ist nicht meine Gegenwart.

Das klingt klein. Es ist nicht klein. Es ist riesengroß und wunderbar mächtig.

Denn das Gegenteil ist das, was die meisten von uns kennen: Die Narbe zieht, und wir sind genervt – über uns selbst, über unsere Langsamkeit, über unser „Immer-noch-nicht-Fertigsein“. Wir streuen uns quasi selbst Salz drauf und wundern uns dann, warum es brennt.

Lebensthemen als Teil von dir – nicht als Fehler in dir

Die Menschen, die ich begleite, haben fast alle ein oder zwei solche Themen. Themen, die sich durch das ganze Leben ziehen. Die sich in Beziehungen wiederholen, in Krisen, in Entscheidungen, in Körpersymptomen.

Das ist kein Zeichen dafür, dass irgendetwas falsch gemacht wurde.

Das ist oft ein Zeichen, dass dieses Thema wesentlich ist. Dass es zu dir gehört – zu deiner Geschichte, zu deiner Familie, zu deiner Seele.

Der erste Schritt: Das Thema erkennen. Nicht als Feind. Nicht als Aufgabe, die du endlich erledigen musst. Sondern als Teil von dir, der Begleitung braucht.

Der zweite Schritt: Den Unterschied spüren lernen. Offene Wunde oder Narbe? Gerade akut oder alter Schmerz? Brauche ich jetzt Erste Hilfe – oder reicht eine sanfte Massage?

Der dritte Schritt: Die Pflege üben. Nicht einmalig. Immer wieder. Als Praxis.

Beim nächsten Frau Machseinfach macht Feierabend

Am Mittwoch, den 6. Mai um 19:30 Uhr schauen wir gemeinsam auf die Erschöpfung, die gerade viele von uns spüren.

Erschöpfung ist oft ein Signal: Irgendetwas ist noch offen, was mehr Energie kostet als nötig. Oder irgendetwas, das längst Narbe sein könnte, wird noch immer wie eine frische Wunde behandelt.

Wir schauen hin – ohne Drama, ohne großes Aufmachen. Und wir machen gemeinsam eine Übung, um loszulassen, was gehen darf. Und das, was bleibt, ist würdevoll zu behandeln.

Frau Machseinfach | Sabrina Krebs-Rahtgens | www.fraumachseinfach.com

Sabrina Rahtgens ist Coach, Soziologin und Sozialpsychologin. Unter fraumachseinfach.com begleitet sie Frauen in Lebenssituationen des Wandels – mit 17 Jahren Erfahrung, einem tiefen Verständnis für Nervensystem und Beziehungsmuster und der Überzeugung, dass Authentizität nie das eigentliche Problem war.

Coach für Zeiten, wenn du dich einsam und allein fühlst